Newsletter Juni 2020 - Während des Lockdowns erlebte der Wald eine Renaissance als Ausflugs- und Erholungsziel. Doch schon seit längerer Zeit ist aus dem ehemaligen Sehnsuchtsort der deutschen Romantiker ein Raum für die gesundheitliche Prävention geworden.

„Shinrin Yoku“ heißt der Trend, der aus Japan zu uns gekommen ist, das bedeutet soviel wie „ein Bad in der Atmosphäre des Waldes nehmen“. Das japanische Landwirtschaftsministerium führte das Waldbaden bereits Anfang der achtziger Jahre ein und legte ein millionenschweres Forschungsprogramm auf, um die medizinische Wirkung nachzuweisen. Mittlerweile ist Waldbaden in Japan ein fester Bestandteil der Gesundheitsvorsorge und japanische Universitäten bieten sogar eine fachärztliche Spezialisierung in „Waldmedizin“ an.

Waldbaden als Therapie

Zahlreiche Studien, die hauptsächlich in Japan, China und Südkorea durchgeführt wurden, weisen deutlich positive Effekte auf die psychische Verfassung der Studienteilnehmer*innen nach: Besonders Depressionen, Angststörungen und andere stressbedingte Erkrankungen konnten durch den Aufenthalt im Wald gelindert werden. Außerdem hatte das Waldbaden positiven Einfluss auf den Blutdruck - besonders bei älteren Patient*innen mit zu hohem Blutdruck war eine deutliche Verbesserung zu sehen.

In Deutschland befindet sich das Waldbaden im Rahmen von Präventionsangeboten und Therapie noch in einer Erprobungsphase. Aber auch hier entstehen zunehmend Kur- und Heilwälder, der erste bereits 2017 auf der Insel Usedom. Der Begriff "Kur- oder Heilwald" steht dabei für ein bestimmtes Waldareal, das als Setting für konkrete präventive oder therapeutische bzw. rehabilitative Maßnahmen gedacht ist; ein Kur- oder Heilwald sollte bestimmte Kriterien erfüllen. Auch im Bereich der Therapeutenausbildung tut sich einiges: So entwickelt beispielsweise die Stiftung Deutscher Wald in Mecklenburg-Vorpommern ein Curriculum zur Ausbildung von Waldtherapeuten. Ähnliches passiert in Bayern unter Federführung des Lehrstuhls für Public Health und Versorgungsforschung der Ludwig-Maximilians-Universität München. In Bad Wörishofen gibt es in Zusammenarbeit mit der Ärztegesellschaft für Präventionsmedizin und klassische Naturheilverfahren Kneippärztebund e.V. seit Frühjahr 2019 Weiterbildungen zum Wald-Gesundheitstrainer, und ab 2021 Ausbildungen zum Waldtherapeuten.

 Neu ist die heilsame Wirkung des Waldes übrigens nicht: Bereits für Sebastian Kneipp, dem Vater der modernen Naturheilverfahren, war Bewegung im Wald eine wichtige Therapiesäule. Und das Bundeswaldgesetz gibt allen Bürger*innen in Deutschland das staatlich verbriefte Recht, einen Wald, ganz gleich ob Staats- oder Privatforst, jederzeit zu Erholungszwecken betreten zu dürfen.

Quelle
www.carstens-stiftung.de, Rubrik Studien kurz & knapp