2. Oktober 2020 - Polyphenole sind gesundheitsfördernde Pflanzenstoffe. Es gibt viele verschiedene davon, die ebenso verschieden auf den Körper wirken. Einer dieser Stoffe steckt auch in Heidelbeeren und könnte bei entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa helfen.

Für viele Patient*innen mit chronischen Darmerkrankungen sinkt im Laufe der Zeit die Lebensqualität rapide. Bei Krankheitsbildern wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa entstehen Entzündungen im Darm, die im Laufe der Zeit zu Geschwüren mit ungesunden Folgen werden. Diese Entzündungen werden durch eine Überreaktion des körpereigenen Immunsystems hervorgerufen. Forscher von der Universität Tokio haben sich deshalb auf die Suche nach einem Stoff gemacht, der dieser überschießenden Immunreaktion Einhalt gebieten kann.

Das Team um Takuya Yashiro wurde dabei fündig: Eine polyphenolische Verbindung mit dem Namen Pterostilben, kurz PSB, zeigte bei verschiedenen Tests eine stark regulierende Wirkung auf das Immunsystem. Bei Mäusen mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen linderten sich die Symptome, nachdem sie den Stoff oral verabreicht bekamen. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass Pterostilben eine starke immunsuppresive Eigenschaft besitzt. Das ebnet den Weg für eine neue, natürliche Behandlung von entzündlichen Darmerkrankungen“, erkärt der Studienleiter Yashiro in einer Mitteilung der Universität. Zudem eröffneten sich neue Möglichkeiten für die Behandlung anderer Entzündungskrankheiten.         

Das Gute an dem Stoff ist, dass er oral eingenommen gut vom Körper aufgenommen wird. Ideale Voraussetzungen für die Entwicklung eines Medikaments.Die wissenschaftlichen Ergebnisse der Studie wurden bei „The FASEB-Journal“ veröffentlicht.

PSB ist ein Polyphenol, das wie das bekanntere Resveratrol zu der gleichen Klasse von sekundären Pflanzenstoffen gehört. Es kommt häufig in kleinen Beeren und Nüssen vor. Heidelbeeren enthalten besonders viel Pterostilbene. Die dunkelblauen, kleinen Früchte sind nicht nur entzündungshemmend, sondern können auch das Risiko für die Entwicklung eines Diabetes mellitus und Tumoren senken. Schon Hildegard von Bingen (1098–1179) wusste über ihre heilende Wirkung. Sie nutzte beispielsweise getrocknete Früchte für Kompressen, die zur Wundheilung eingesetzt wurden. Heute weiß man, dass die Inhaltsstoffe in getrockneten Heidelbeeren auch gegen Durchfall helfen.