Nein, denn Blutegel können zwar eine ganze Menge, auf das Saugen von Geld verstehen sie sich aber nicht. Studien haben stattdessen erwiesen, dass der Einsatz von Blutegeln bei Kniegelenksarthrosen das mit Abstand beste Verfahren zur Schmerzlinderung ist [1,2] – besser als jedes Medikament oder zum Beispiel chirurgische Eingriffe. [3] Entsprechend sind Blutegel heute apothekenpflichtige Arzneimittel.

Der Einsatz von Blutegeln ist eine der ältesten Therapien der Welt. In den vergangenen Jahrhunderten sind sie aber in Misskredit geraten, weil sie inflationär, unhygienisch und unsachgemäß eingesetzt wurden.

In der Naturheilkunde wie auch in anderen traditionellen Heilverfahren gehören Blutegel seit jeher zu den „ausleitenden Verfahren“, die moderne Medizin entdeckt ihre erstaunlichen Qualitäten gerade wieder. Wenn ein Blutegel zubeißt, werden aus seinem Speichel mindestens 30 Teilsubstanzen aktiv, davon sind jedoch nur acht in Struktur und Wirkung aufgeklärt. [4] Dazu zählt das Hirudin, ein Protein, das den anfänglichen Blutfluss beim Saugen erst ermöglicht. Ein zweites Protein, das Calin, sorgt dafür, dass die Wunde bis zu zwölf Stunden nachbluten kann – eine natürliche Art der Desinfektion, die vermutlich das Überleben des „Opfers“ als langfristigem Wirt sichern soll.

Chronifizierte Schmerzsyndrome durch degenerative Arthrosen gehen mit entzündlichen Reaktionen, aber auch Veränderungen der Haltestruktur des Gelenks, des Sehnen-Muskel-Band-Apparats sowie des lokalen Bindegewebes einher. Die Inhaltsstoffe des Speichels des Blutegels beeinflussen diese Strukturen auf vielfache Weise, unter anderem sind sie entzündungshemmend und durchblutungsfördernd. Bei Kniearthrose führt eine ein- bis zweimalige Behandlung zu einer 60prozentigen Schmerzreduktion. Auch bei einer Rhizarthrose (Verschleiß des Daumensattelgelenks) sind Blutegel wirksam. Für andere Gelenkschmerzen sind die Ergebnisse weniger eindeutig.

Die Wirkung dauert bis zu sechs Monaten an. Dann kann die Behandlung wiederholt werden.

Kontraindikationen sind Therapien, die das Immunsystem unterdrücken, ein auf andere Weise geschwächtes Immunsystem oder die Einnahme gerinnungshemmender Medikamente.

[1] Michalsen A, Moebus S, Spahn G, Esch T, Langhorst J, Dobos GJ: Leech therapy for symptomatic treatment of knee osteoarthritis: results and implications of a pilot study. Altern Ther Health Med. 2002 Sep-Oct;8(5):84-8.

[2] Michalsen A, Klotz S, Lüdtke R, Moebus S, Spahn G, Dobos GJ.Effectiveness of leech therapy in osteoarthritis of the knee: a randomized, controlled trial. Ann Intern Med. 2003 Nov 4;139(9):724-30.

[3] Thorlund JB et al: Arthroscopic surgery for degenerative knee: systematic review and meta-analysis of benefits and harms

BMJ 2015; 350 doi: (Published 16 June 2015) Cite this as: BMJ 2015;350:h2747

[4] Baskova IP et al: Arterial antithrombotic effect of piyavit, the novel pharmacological preparation from the medicinal leech, and of its components, prostanoids and enzyme destabilase. Thromb Res. 1995;77: 483 – 492.