5. Oktober 2020 - Jeder zweite in Deutschland hat Angst davor, an einer Demenz zu erkranken. Die Ursachen für die Erkrankung sind vielfältig. Bisher waren neun veränderbare Faktoren bekannt, die das Demenzrisiko beeinflussen können. Einer aktuellen Studie zufolge kommen nun drei weitere hinzu.

Mit jedem Lebensjahr wächst auch das Risiko, an Demenz zu erkranken. Am Alter allerdings kann niemand drehen. Es ist und bleibt ein unveränderbarer Faktor. Dieser Tatsache gegenüber steht eine Reihe von Lebensstil-Aspekten, die durchaus beeinflussbar sind. Dazu gehören beispielsweise Körpergewicht, Bewegung und die Pflege von Sozialkontakten. 2017 hatten Forscher*innen neun wesentliche Risikofaktoren für Demenz ausgemacht. Mit erhöhtem Alkoholkonsum, schlechter Luftqualität und Kopfverletzungen kommen nun drei weiter hinzu.

Würde man alle Aspekte im eigenen Leben beherzigen, ließe sich das Demenz-Risiko massiv senken. 40 Prozent aller Demenzfälle könnten so verhindert beziehungsweise deutlich hinausgezögert werden. Das behauptet zumindest ein Forscherteam aus Großbritannien in der Veröffentlichung ihrer Forschungsergebnisse im Fachmagazin „The Lancet“.

Hier die zwölf Faktoren:

  • Geringe Bildung gilt im Hinblick auf die Entwicklung einer Demenz als riskant. Mehr Bildung könnte hingegen den Schutzeffekt um sieben Prozent erhöhen.
  • Wer im Alter zwischen 40 und 65 Jahren einen Blutdruck im Normalbereich hat, senkt sein Demenzrisiko um zwei Prozent.
  • Schwerhörigkeit ist eng mit Demenz verbunden. Gutes Hören sollte deshalb schnell wieder mit Hörgeräten erreicht werden. Immerhin kann das Demenzrisiko so um acht Prozent gesenkt werden.
  • Durch die regelmäßige Pflege von Sozialkontakten kann das Demenzrisiko um weitere vier Prozent gesenkt werden.
  • Rauchfrei leben bis ins hohe Alter. Unter Rauchern bekommt jeder 20. eine Demenz. Wer rauchfrei ist oder wird, kann so das Risiko einer Demenzerkrankung um bis zu fünf Prozent senken.
  • Depressionen müssen behandelt werden, denn auch sie stehen, besonders im fortgeschrittenen Alter, im Zusammenhang mit einer Demenz. So kann das Demenzrisiko um vier Prozent gesenkt werden.
  • Auch Übergewicht und Fettleibigkeit werden mit der Entwicklung von Demenz in Verbindung gebracht. Alle, die ihr Gewicht im Normalbereich halten, senken ihr Erkrankungsrisiko um ein Prozent.
  • Bewegung ist ein Alleskönner. So ist sie auch in Bezug auf das Vorbeugen einer Demenzerkrankung ratsam. Insgesamt kann durch Bewegung das Demenzrisiko um bis zu zwei Prozent gesenkt werden.
  • Diabetes mellitus Typ 2 gilt als Zivilisationskrankheit, die durch Übergewicht, falsche Ernährung und wenig Bewegung gefördert wird. Wer dauerhaft damit lebt, erhöht sein Demenzrisiko um ein Prozent.
  • Wie sehr der Konsum von Alkohol das Risiko für eine Demenzerkrankung erhöht, ist von der Menge abhängig. Wer dagegen auf alkoholische Getränke verzichten kann, verringert das Demenzrisiko um fast ein Prozent.
  • Kopfverletzungen wiederum, besonders wenn man sich diese im mittleren Alter zuzieht, können das Demenzrisiko um drei Prozent erhöhen.
  • Schlechte Luftqualität steht schon seit längerem im Verdacht, das Demenzrisiko zu erhöhen. Forscher konnten bisher in Tierversuchen zeigen, dass sich vor allem Feinstaub und Stickoxide im Gehirn festsetzen können und so demenztypische Ablagerungen entstehen lassen. Die Forscher geben die Erhöhung des Risikos mit zwei Prozent an.

Dass Faktoren wie Übergewicht, Bluthochdruck und körperliche Inaktivität das Demenzrisiko erhöhen, ist mittlerweile vielen bekannt. Dass jedoch Kopfverletzungen beziehungsweise Schädel-Hirn-Traumata zu einer Erhöhung des Demenzrisikos führen, ist dagegen neu. Das Tragen eines Helmes beim Sport oder auch als Radfahrer im Straßenverkehr könnte so bei vielen Menschen neu bewertet werden. Es schützt nicht nur vor akuten Unfallfolgen, sondern kann auch langfristig das Risiko der Entwicklung einer Demenz senken.

Wie die Forscher im „Report oft he Lancet Commission 2020“ betonen, sei es nie zu spät im Leben, um mit einer Demenz-Prävention zu beginnen.